20 Minuten Date mit einer Hexe. | Finnland #2

 

Ich interessiere mich sehr für andere Kulturen und Religionen. Vielleicht habe ich auch deswegen angefangen mich mit Wicca zu beschäftigen. Vielleicht aber auch, weil mich die Natur und das Ungewöhnliche schon immer anzogen haben, ich habe ein Buch über Wicca gelesen, was mein Interesse sehr geweckt hat.

 Als sich mir dann die Möglichkeit bot, mit einer Hexe zu sprechen, musste ich sie natürlich ergreifen.  Vielleicht aber bevor wir damit Anfangen etwas allgemein zu Wicca. Wicca ist eine heidnische Naturreligion. Einige wichtige identifizierende Motive sind: Ehrfurcht sowohl für die Göttin als auch für Gott; Annahme der Reinkarnation und Magie; Rituelle Einhaltung der astronomischen und landwirtschaftlichen Phänomene. Und die Verwendung von magischen Kreisen für rituelle Zwecke.
Wir haben am Turku Day teilgenommen, einer Art Stadtfest mit, verschiedenen Veranstaltungen, die man besuchen konnte. Eine davon war die ‘Living Library’, bei der man sich sozusagen einen Menschen ‘ausleihen’ und ca 20 Minuten mit ihm sprechen konnte. Es standen viele interessante Menschen zur Auswahl, die bereit waren ihre Geschichte mit Fremden zu teilen. Ich habe mich für eine Hexe entschieden. Gespannt wartete ich darauf, dass endlich meine 20 Minuten beginnen würden. Kurz bevor es soweit war, wurde ich plötzlich angesprochen. Vor mir stand eine freundliche junge Frau ungefähr Mitte 20, die mich fragte ob ich mir die Hexe ‘ausgeliehen‘ hätte. Dann eröffnete sie mir, dass sie selbst die Hexe sei und bat mich ihr zu folgen. Etwas abseits von den anderen Touristen ließen wir uns dann auf einer Couch nieder und der Timer wurde gestellt. 
Zuerst sollte man vielleicht wissen, dass es auch andere Religionen als Wicca gibt, bei denen sich die Anhänger selbst als Hexe/Hexer bezeichnen. Wirklich die wenigsten davon bedienen Hexenklischees, bei denen, die es nicht drauf anlegen, erkennt man äußerlich gar nicht, dass es sich um eine Hexe/einen Hexer handelt. Nehme man zum Beispiel diese junge Dame mit der ich mich unterhalten habe, auf der Straße hätte man sie niemals als Hexe erkannt. Man kann ja aber auch bei den wenigsten Leuten anhand ihres Aussehens ihre Religion ausmachen. Also warum sollte es in diesem Fall anders sein. Manche legen es natürlich bewusst  darauf an, als Hexe durch ihr Aussehen erkannt werden zu können. Aber das sind eher die Ausnahmen. Also versucht bitte diese Klischees die ihr kennt aus euren Köpfen zu verbannen.


Und dann begann sie zu erzählen, was sie dazu gebracht hat sich für Wicca zu interessieren. Die junge Dame wurde christlich erzogen, erzählte sie mir. Aber ihre Familie war nicht wirklich streng christlich, sondern sie fühlten sich zwar als ein Teil der Kirche, gingen aber nicht zu Gottesdiensten.  Dennoch laß sie als Kind immer die Bibel wenn sie krank war, bettete oder dergleichen. Dann war da ein Moment, als sie in der Schule über christliche Bräuche und Feierlichkeiten sprachen, wo ihr klar wurde, dass das Christentum nicht zu ihr passte, dass es da einen anderen Weg geben musste, der für sie richtig war. Dann hatte sie erst mal eine Phase, wo sie an gar nichts glaubte, bis sie das Gefühl hatte, dass Wicca das war, was sie tun sollte. Was sie tun wollte. Sie ist zu Wicca mit 16 Jahren, durch einer Freundin gekommen. Sie hatte das Gefühl, dass Wicca für sie der richtige Weg wäre. Sie waren damals betrunken und ihre Freundin wusste, dass sie sich für unnatürliche Dine interessierte und von der Geschichte der Hexen fasziniert war. Das war gerade zu der Zeit, als in den Nachrichten viel über die Wicca-Community berichtet wurde. Zum Beispiel durch Interview und dergleichen. Also begann sie sich näher mit dem Thema zu beschäftigen und im Internet dazu zu recherchieren. Man findet wirklich wahnsinnig viel dazu im Internet, vor allem am Anfang der 2000er Jahre. Es  gab viele Teenager die Webseiten zu diesem Thema erstellten. 
Also begann sie Wicca zu studieren. Es gibt einen weiblichen und einen männlichen Gott, die gleichberechtigte Partner und die Repräsentanten einer polaren Natur sind. Man beginnt am Anfang damit selbst Rituale zu vollziehen, um zu versuchen sich selbst zu einem besseren Menschen zu machen. Man macht sich mit Kräutern vertraut, um zu verstehen, wie man sie verwendet und welche Kräfte sie haben. Was sie wirklich sehr interessierte, besonders das Heilen. Um als Mensch zu wachsen nutzte sie ihr neu erlangtes Wissen und meditierte oft. Sie las wirklich viel z.B. die Hexenbibel. Sie startete mit Kerzenmagie und begann sich als Hexe zu kleiden. Mit schwarzer Kleidung und allem, sozusagen um ihre Version von sich zu zeigen. Aber natürlich muss man das nicht tun. Bei Wicca geht es sehr viel um einen selbst und was sich für einen selbst gut anfühlt, was man selbst für richtig hält. Also muss man das natürlich nicht tun, um eine ‚wahre‘ Hexe zu sein. Und wie schon oben erwähnt, machen das auch wirklich nur die wenigsten.  Zum Beispiel erzähle sie mir auch, dass sie die meisten Rituale alleine abhält, weil es dann einfach persönlicher ist  und man nicht alles laut aussprechen muss, weil man ja weiß was man machen möchte. Aber auch mal Gruppenrituale ausprobiert hat. Was aber ziemlich schwer sein kann, denn wenn man die anderen nicht kennt, kennt man auch ihre Energie nicht und weiß nicht was der andere vorhat. Es gibt bestimmte Networks, wo man auf andere Hexen treffen kann und zusammen zum Beispiel Rituale abhalten kann.
Später hat  sie auch viele Heiden getroffen, von denen sich manche selbst als Hexen bezeichneten, manche auch nicht. Als sie diese in Finnland traf fragten sie, wo ihre Hexenkleidung sei und warum sie als Hexe Jeans trug.  In diesem Zusammenhang erzählte sie mir auch, dass es einfach verschiedene Arten von Traditionen gibt, von denen manche mehr Klischees bedienen als andere. Und es komplett von der Person selbst und ihren Glauben abhängig ist, wie sie aussieht und wie sie sich verhält.

Meine letzte Frage an sie war, wie die Leute reagiert hatten, als sie zu einer Hexe wurde. Und sie erzählte mir folgendes: Ihr kleiner Bruder hatte die Pentagramme gefunden und die Webseiten gesehen, die sie zu der Zeit als sie mit Wicca begann besucht hatte. Er fragte sofort ob sie jetzt irgendeiner Sekte angehöre. Danach musste sie ihm das und natürlich auch ihren Eltern erklären. Ihr Vater hatte nicht wirklich ein Problem damit, solange sie keine Dummheiten anstellte, nur ihre Mutter war ein bisschen skeptischer. Vor allem, als sie anfing zu Partys zu gehen, die mit Wicca verbunden waren. Und war besorgt, dass sie mit  Leuten befreundet war, die negative Nachrichten in den Medien hervorbrachten. Denn es gibt immer wieder Menschen, die die Hexen in ein negatives Licht rücken. Zum Beispiel dadurch, dass sie Mordrituale abhalten, die mit Wicca in Verbindung gebracht werden oder Pentagramme an Kirchenwände malen. Was natürlich nur Leute tun, die aus der Reihe tanzen. In jeder Gesellschaftsgruppe gibt es gute und böse Menschen. Wicca ist eigentlich eine sehr naturbezogene und friedliche Religion. In der man darauf bedacht ist nur Gutes zu tun und glaubt, dass alles Böse dreifach zu einem zurück kommt. Ich hab sie gefragt, was es für sie bedeuten würde, ohne Wicca leben zu müssen. Sie sagte, dass sich dann ihr ganzes Leben verändern würde, da Wicca ihre große Leidenschaft ist und sie auch Geschichte mit dem Schwerpunkt auf Religionen als Studienfach gewählt hat. Heute macht sie zwar nicht mehr so viele Rituale wie früher, aber es geht einfach um alltägliche Dinge, die sie macht. Es spielt einfach eine große Rolle in ihrem Leben und sie konnte mir zum Beispiel sofort sagen, wann der letzte Vollmond war und was für verschiedene Mondphasen es gibt. Was nicht  unbedingt jeder kann.


Leider war die Zeit dann schon vorbei. Dies ist nur eine kurze Zusammenfassung dessen, was ich durch dieses Interview in Erfahrung gebracht habe. Sozusagen nur eine kurze Einführung in das Thema Hexen und Wicca. Ich habe versucht, dass was sie mir erzählt hat, so genau wie möglich wieder zu geben, da ich auf keinen Fall Fachmann auf diesem Gebiet bin. 
Falls ihr mehr Beiträge wie diesen lesen wollt (über Wicca oder besondere Menschen, die ich auf meinen Reisen treffe), schreibt mir das doch bitte in die Kommentare.

 - dieses Bild hat die liebe Elisabeth Mochner von mir geschossen. Mehr von ihr findet ihr auf FB und auf ihrer Webseite 

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