Bühnengefühle


Ich habe von meinem Studium aus an einem Literaturkurs teilgenommen, wo wir gelernt haben, wie wir unsere Texte richtig vortragen sollen. Hier die Erfahrungen, die ich gemacht habe:

Der künstlerische Workshop Literatur hat mich dazu gebracht, mich ins Schreiben neu zu verlieben, und hat mir geholfen, mit meiner Nervosität und meinen Gefühlen anders um zu gehen. Und alles besser zu verarbeiten, es hat mich ruhiger gemacht. Ich habe gelernt, dass man sich für seine eigene Meinung nicht schämen muss, da diese nicht falsch sein kann. Außerdem, dass Kritik, wenn sie wertschätzend vorgetragen wird nichts Schlechtes ist, sondern einen in vielen Hinsichten weiter bringt. Denn man erkennt, dass die Anderen alles anders wahrnehmen als man selbst. Ich habe ein bisschen mein Problem, vor Leuten zu sprechen, überwunden. Ich fühle mich wohler auf der Bühne und weiß jetzt, dass in Worten Macht liegt. Die Macht, Leute zu bewegen und vielleicht auch zum Nachdenken zu bringen. Außerdem habe ich viel von mir Preis gegeben ohne mich verletzlich zu machen. Weil es sehr viel Mut braucht sein Inneres zu offenbaren. Aber natürlich habe ich die Zuhörer nur das sehen lassen, was ich auch bereit bin ihnen zu zeigen. Aber ich finde am wichtigsten ist, dass mich der Kurs und die Teilnehmer mich inspiriert haben. Ich habe das Gefühl etwas wieder gefunden zu haben das ich gut kann und das mir liegt.

Hier eine meiner Erfahrungen, die ich gemacht habe, als ich bei der Generalprobe in einem kleinen Theater einen von meinen Texten vortrug:
Ich ging auf die Bühne, so zielsicher wie noch nie. Vor mir hatte jemand vorgetragen, der, wie konnte es auch anders sein, viel größer war als ich. Also musste ich den Mikrofonständer  verstellen, – so wie ich es gelernt hatte-.  Dann, sah ich über das Mikrofon hinweg in die Menge vor mir. Das Scheinwerferlicht blendete mich, aber umhüllte mich trotzdem mit einer angenehmen Wärme. Ich konnte nicht wirklich die Leute vor mir erkennen, was vielleicht auch gut war, denn so gab es nur mich, die Bühne und meinen Text. Dann stellte ich den Titel vor, machte eine bedeutungsvolle Pause und begann zu sprechen. Ich sprach mit Pausen, variierte den Rhythmus und konnte sogar Witz und Ironie ausdrücken. Ein Glücksgefühl überkam mich und ich musste lächeln. Vielleicht sind solche Auftritte, wie dieser, doch etwas für mich. Ich habe mich zuvor noch nie so wohl bei einem Vortrag vor so vielen Menschen gefühlt. Bisher hatte ich mich nicht so wirklich aufs Kunstfest gefreut, nein ich hatte eher Angst davor. Ich bin immer noch nervös und aufgeregt, wenn ich an meinen Auftritt dort denke, aber irgendwie kann ich es auch kaum erwarten, auf die Bühne zu gehen, zu warten, bis alle leise sind und ihre Augen auf mich richten und dann mit dem Sprechen zu beginnen.

Bei einem Poetry Slam geht es mir nicht ums Gewinnen. Natürlich wäre es schön, wenn ich ins Finale kommen würde, aber mir geht es um etwas anderes. Ich möchte nur, dass es wenigstens eine Person im Publikum gibt, die, während ich spreche, die Augen schließt und sich nur auf meine Stimme konzentriert. Die ich zum Nachdenken bringe oder noch besser, die ich wirklich „bewege“. Ich möchte in den Menschen etwas auslösen, egal ob es ein gutes oder ein schlechtes Gefühl ist. Ich habe irgendwo mal ein Zitat gelesen, von wem es ist, weiß ich nicht mehr, aber ich finde es mehr als passend: „Kunst muss nicht schön sein, sie muss dich etwas fühlen lassen.“

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